Ankommen & Kennenlernen
Am Montagmittag (30. März 2026) startete die Schulung in der Jugendherberge in Büsum. Nach einer gemeinsamen Begrüßung wurden Regeln für das Miteinander festgelegt und Erwartungen gesammelt, damit alle eine gute Zeit haben können. Zum Kennenlernen wurden verschiedene Namensspiele gespielt – unter anderem eine herausfordernde Variante von „Ich packe meinen Koffer“, bei der zusätzlich Name und Pronomen eingebunden wurden.

Erste Inhalte
Im Anschluss begann die erste Einheit zu den Grundlagen der queeren Kinder- und Jugendarbeit. Mithilfe der Ampelmethode konnten die Teilnehmenden ihre bisherigen Erfahrungen einordnen und sichtbar machen.
Darauf aufbauend wurden zentrale Fragen behandelt: Warum braucht es queere Jugendarbeit? Welche historische Entwicklung gibt es und welche Fördermöglichkeiten bestehen? Nach einer Reflexionsphasen setzten sich die Teilnehmenden außerdem mit der Abgrenzung zwischen persönlicher und pädagogischer Rolle sowie zwischen Ehrenamt und Hauptamt auseinander.
Gemeinsam wurde diskutiert, wie Haltung vor allem durch Handeln sichtbar wird und wie eigene Grenzen erkannt und gewahrt werden können. Zum Ausklang des Tages wurden nach dem Abendessen Steckbriefe sowie kleine Briefumschläge als kreative Austauschmöglichkeit gestaltet.

Queere Jugendarbeit Teil 2
Am nächsten Morgen ging es direkt weiter mit einem Themenblock zu Herausforderungen junger Menschen und dem Umgang mit Krisensituationen. Gerade in der Arbeit mit queeren Jugendlichen ist dies aufgrund erhöhter Betroffenheit von Diskriminierung und psychischer Belastung besonders relevant. Fragen, wie „Was gehöhrt in eine Skilllbox?“, „Wie gehe ich mit Diskriminierungserfahrungen um?“ und „Wie reagiere ich im Falle einer Panikattacke?“ wurden beantwortet. Außerdem wurde sich intensiv mit Konzepten wie „Safer“ und „Braver Spaces“ in der Raumgestaltung sowie mit der Bedeutung von Partizipation in der Jugendarbeit auseinandergesetzt. In einer anschließenden Gruppenarbeitsphase wurden erste Projektideen im Bereich queerer Jugendarbeit entwickelt und vorgestellt – darunter Konzepte für einen Open Space für Queers & Questioning oder eine queere Schulprojektwoche.

Biografiearbeit
Nach der Mittagspause stand Biografiearbeit im Fokus. Die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebensgeschichte – zunächst in Einzelarbeit und anschließend im Austausch in Kleingruppen – wurde von vielen als emotional und herausfordernd erlebt.
Gleichzeitig ist diese Form der Reflexion zentral, um junge Menschen besser in ihrem individuellen Werdegang begleiten zu können, insbesondere in Bezug auf Identitäts- und Sexualitätsentwicklung. Ein wichtiger Aspekt war dabei auch die Frage nach eigenen Grenzen: Was möchte ich überhaupt von mir teilen?
Insgesamt traf das Thema auf viel Resonanz und wurde zum Teil am Abend auch nochmal selbständig aufgegriffen. Abschließend wurden theoretische Grundlagen dazu vermittelt, was Identität ausmacht und welche fünf Dimensionen dabei eine Rolle spielen.

Rahmen und Finanzen
Der dritte Tag – und damit die Halbzeit – begann mit einer digitalen Einheit zu Rahmenbedingungen und Finanzierung. Am Beispiel von Lambda wurde unteranderem anschaulich dargestellt, welche Kosten in der Jugendarbeit entstehen und wie und wo Fördergelder beantragt werden können.
In einer Gruppenarbeitsphase hatten die Teilnehmenden anschließend die Möglichkeit die eigene Projektideen weiterzuentwickeln und dazu praxisnah Finanzierungspläne zu erstellen und vorzustellen.

Awareness und Sexualpädagogik
Awarenessarbeit ist ein ganz wesentlicher Bestandteil in der Jugendarbeit und Inhalt der Nachmittagseinheit. Was genau das ist, welche Grundsätze, wie z.B. Parteilichkeit, Opfer- statt Täterarbeit etc. und wie genau das aussehen kann, wurde thematisiert.
Um das komplexe Thema Intersektionalität greifbarer zu machen, wurde die Methode „Ein Schritt nach vorne“ durchgeführt. Sie hilft dabei, Privilegien und Mehrfachmarginalisierung von verschiedenen Personengruppen sichtbar zu machen. Ergänzend dazu reflektierten die Teilnehmenden mithilfe dem Arbeitsblatt „Power Flower“ ihre eigenen Positionierungen.
Im Anschluss folgte die Einheit zur Sexualpädagogik. Neben theoretischen Grundlagen – etwa zur Definition von Sexualität und zur sexuellen Entwicklung – wurden auch methodische Ansätze vorgestellt. Anhand von Musik- und Videoanalysen, unter anderem zum Video „The Light“ von HollySiz, wurde gezeigt, wie Themen rund um Gender und Sexualität pädagogisch vermittelt werden können. Die Wirkung dieser Methoden zeigte sich auch in den teils emotionalen Reaktionen der Teilnehmenden.

Datenschutz & Jugendschutz
Am vorletzten Tag stand zunächst das Thema Datenschutz auf dem Programm – ein eher trockenes, aber sehr wichtiges Feld. Viele waren überrascht zu erfahren, dass Datenschutz ein Menschenrecht ist und nicht einfach „durch ein Programm“ gelöst werden kann, sondern ein fortlaufender Prozess ist.
Nach praktischen Tipps zum Umgang mit Daten und möglichen Datenpannen folgte am Nachmittag ein weiterer zentraler und nicht ganz einfacher Themenblock: Kinder- und Jugendschutz. Dabei ging es unter anderem um die Frage, was Kindeswohlgefährdung ist, wie sie erkannt werden kann und wie im Verdachtsfall richtig gehandelt wird. Auch rechtliche Grundlagen und Fallbeispiele wurden durchgesprochen.
Abschluss & Reflexion
Damit war der letzte volle Tag der Schulung (03. April 2026) abgeschlossen. Am Vormittag des Abreisetages gab es noch Raum für offene Fragen sowie weitere Methoden.
Unter anderem wurde die Methode „Differenzdetektive“ durchgeführt, die durch das Herausstellen von Gemeinsamkeiten und Unterschieden Potenziale aber auch Risiken birgt. Außerdem wurde noch eine Gruppenarbeit zur Methodenplanung & -auswertung anhand eines Arbeitsblattes durchgeführt.
Zum Abschluss gab es eine gemeinsame Reflexions- und Feedbackrunde. Die Rückmeldungen waren insgesamt sehr positiv – besonders hervorgehoben wurden die Methodenvielfalt sowie die angenehme Lernatmosphäre mit angepassten Pausen.

Du hast Fragen zur Juleica oder zur queeren Jugendarbeit?
Wir freuen uns riesig über das Engagement unserer Teilnehmenden! Wenn dieser Bericht dein Interesse geweckt hat oder du selbst aktiv werden möchtest, findest du hier alle wichtigen weiterführenden Informationen:
Alles rund um die Juleica
Die Jugendleiter*in-Card (Juleica) ist der bundesweit einheitliche Ausweis für ehrenamtliche Mitarbeiter*innen in der Jugendarbeit. Sie dient als Qualifikationsnachweis und als Anerkennung für dein Engagement.
- Noch Fragen offen? Wenn du wissen willst, wie du deine Karte beantragst oder welche Voraussetzungen du erfüllen musst, schau direkt auf dem offiziellen Portal vorbei: www.juleica-portal.de und sh.juleica-ausbildung.de
- Weiterbildung bei lambda::nord: Wir bieten regelmäßig Schulungen und Fortbildungen an, die dich für die Arbeit mit queeren Kids und Jugendlichen stärken. Eine Übersicht unserer aktuellen Angebote findest du hier: lambda-nord.de/fortbildungen-workshops/
Egal, ob du Fragen zu dieser speziellen Schulung hast, dich für künftige Termine interessierst oder Unterstützung für dein eigenes queeres Projekt brauchst – melde dich einfach bei uns! Wir sind für dich da.
Kontakt zu unserem Team
- E-Mail: jugendarbeit@lambda-nord.de
- Telefon: 0451 – 7075589
- Vor Ort: Besuche uns am Pferdemarkt 6-8, 23552 Lübeck.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei der teilnehmenden Person für diesen tollen Bericht 💙 über die Juleica-Woche in Büsum! Der Bereicht zeigt wie bei lambda::nord Bildung, Prävention und Persönlichkeitsentwicklung gemeinsam bedacht werden. Wir freuen uns schon auf die Zusammenarbeit in den queeren Kinder- und Jugendgruppen.
