Zum heutigen Tag der Zeugnisvergabe in Schleswig-Holstein stehen wieder viele genderqueere Kinder, Jugendliche und Berufsschüler*innen vor einer schmerzhaften Hürde: Ihre Zeugnisse werden weiterhin auf ihren abgelegten Namen (Deadname) ausgestellt. Das erschwert den Schulwechsel, die Suche nach Praktikumsplätzen oder den Übergang in Ausbildung und Studium unnötiger Weise.

Das Jugendnetzwerk lambda::nord fordert seit langem, dass Schulen den dgti-Ergänzungsausweis wie die Landespolizei in Schleswig-Holstein vollumfänglich anerkennen, um Diskriminierung beim Berufseinstieg zu verhindern. Queere Schüler*innen könnten sich so viel besser auf das Lernen in der Schule und die spätere Berufswahl konzentrieren. Andernfalls müssen sie parallel zum anspruchsvollen Schulalltag komplexe Entscheidungen treffen, Behörden aufsuchen oder notfalls sogar vor dem Familiengericht klagen. Doch das Bildungsministerium blockiert – und verlangt nun Geld für die Herausgabe von Hintergrundinformationen. lambda::nord kündigt daher eine Spendenaktion auf dem kommenden CSD Lübeck an, um die Gebühr gemeinsam mit der Community zu sammeln und das Gutachten freizuschalten: „150 Euro Zeugnisgeld“!

Die Bildungsministerin hatte in einer jüngsten Landtagsdebatte behauptet, eine großzügige Regelung bei der Zeugnisausstellung sei „nicht sinnvoll“, da eine Übereinstimmung mit amtlichen Dokumenten gegeben sein müsse. Dass der dgti-Ergänzungsausweis bundesweit durch Innenministerien anerkannt wird, und nur mit einem amtlichen Dokument gültig ist, blieb dabei unerwähnt, wurde aber bei einem Treffen im Bildungsministerium mit Queerverbänden thematisiert. Um die rechtliche Grundlage dieser ministeriellen Haltung zu prüfen, fragte Moritz Griepentrog als Landesgeschäftsführung des queeren Jugendnetzwerks zunächst beim zuständigen Sozialministerium nach Herausgabe der Gutachten für die Beratungsarbeit mit Fachkräften an Schulen, Schüler*innen und Eltern im Auftrag des Landes durch die Informations- und Beratungsstelle NaSowas. Er wurde an das Bildungsministerium verwiesen und stellte dort einen Antrag nach dem Informationszugangsgesetz (IZG-SH) auf Herausgabe der internen Gutachten über frag-den-staat.de.

Die Antwort des Ministeriums für Allgemeine und Berufliche Bildung sorgt seit Mai für Kopfschütteln beim Sprecher der AG TIN des Landesjugendhilfeausschusses: „Für die elektronische Übermittlung der Gutachten verlangt die Behörde eine Gebühr von stolzen 150 Euro. Dass eine Landesregierung, die sich die Diskriminierungsfreiheit auf die Fahnen schreibt, die Überprüfung ihrer eigenen Argumente hinter einer dreistelligen Bezahlschranke versteckt, ist schade “, erklärt Moritz Griepentrog. „Es passt überhaupt nicht dazu, dass wir in den letzten Monaten sehr konstruktiv mit dem Bildungsministerium gearbeitet haben. Wir konnten große Schritte machen darin, dass im Schulalltag alle Schülerinnen und Sorgeberechtigten korrekt angesprochen werden und die Anliegen von trans, nicht-binären, inter (tin) Personen mehr beachtet werden.“

Das Jugendnetzwerk wird auf dem diesjährigen Christopher Street Day (CSD) in Lübeck am 14. Und 15. August unter Schirmherrschaft von Ministerpräsident Daniel Günther daher gezielt Spenden sammeln, um den Betrag von 150 Euro zusammenzubekommen und das Gutachten „freizuschalten“. Sobald das Dokument vorliegt, wird lambda::nord die rechtliche Argumentation des Ministeriums gemeinsam mit anderen Verbänden in Schleswig-Holstein prüfen, denn dem queeren Jugendverband liegen gegenteilige Rechtsgutachten vor. Ziel ist es, eine queerfreundliche Verwaltungspraxis zu etablieren, die Zeugnisse unbürokratisch auf den selbst gewählten Namen ausgestellt. lambda::nord lädt alle CSD-Teilnehmenden ein, sich am Infostand des Vereins zu informieren und die Aktion zu unterstützen, um gemeinsam ein klares Zeichen für informationelle Selbstbestimmung und queere Menschenrechte an Schulen zu setzen.

Während der Vorbereitungszeit auf den CSD in Lübeck bietet lambda::nord ein vielfältiges Ferienprogramm für junge Queers und Ally. Es startet am Dienstag 7. Juli 2026 um 10 Uhr am Pferdemarkt 6-8 mit einem LGBrunchTIQ* zum Ferienstart. Über alles weitere informiert lambda auf den üblichen Kanälen und auch im Ferienpass (Lübecker Jugendring: www.ferienpass-luebeck.de). Spenden für die Kampagne werden unter dem Zweck „Zeugnisgeld“ entgegengenommen.

Jugendnetzwerk lambda::nord e.V.
Sparkasse Holstein
IBAN: DE64 2135 2240 0000 0228 64
BIC: NOLADE21HOL

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